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IM GESPRÄCH
helfen mir, den Eltern zu zei- Ja, bei ernsthaften Themen empfehle ich, klare Regeln zu typische Alltagssituationen auf
gen, dass Pubertät eben auch wie Drogen, Alkoholmiss- setzen, aber auch individuell zu und mache sie greifbar. Und
mit Humor betrachtet werden brauch oder Essstörungen schauen, was das Kind leisten mit Humor schaffe ich Bilder,
kann, man aber auch hin und sind professionelle Hilfen ge- kann. Vertrauen ist hier ent- die im Gedächtnis bleiben. Es
wieder über den eigenen Tel- fragt. Humor hat dort keinen scheidend – und das baut auf ist ein Dialog mit dem Publi-
lerrand hinausschauen sollte. Platz. Aber auch in emotional den ersten Jahren auf. kum, ohne PowerPoint, dafür
aufgeladenen Momenten – mit viel Herz. Eltern sollen la-
Was sind die häufigsten Miss- wenn der „Rollladen im Gehirn“ Was ist Ihr wichtigster Rat an chen, verstehen und mit einem
verständnisse, die Eltern über runtergeht – hilft Humor nicht. Eltern, die mitten in der Krise positiven Gefühl nach Hause
ihre pubertierenden Kinder ha- Dann ist es besser, einfach da Pubertät stecken? gehen.
ben? zu sein, vielleicht nur eine Hand Erinnern Sie sich daran, dass
Das größte Missverständnis auf die Schulter zu legen. Ironie, es eine Phase ist, die vorüber- Vielen Dank, Herr Jung, für die-
ist, alles persönlich zu neh- die von Teenagern ohnehin oft geht. Sie leben in dieser Zeit ses inspirierende und unterhalt-
men. Wenn Teenager ausras- nicht verstanden wird, ist in sol- quasi in einer Fernbeziehung same Gespräch.
ten oder provokant sind, tun chen Momenten ebenfalls fehl mit Ihrem Kind, auch wenn
sie das nicht gegen ihre Eltern, am Platz. Und: Man sollte die Sie im selben Haus wohnen.
sondern für sich selbst. Sie Kinder immer ernst nehmen. Bleiben Sie geduldig, neugierig
befinden sich in einem hormo- und humorvoll. Und vertrauen Donnerstag, 8. Mai 2025
nellen Ausnahmezustand und Welche typischen Alltagssitu- Sie darauf, dass am Ende ein „KINDER SIND WAS
testen ihre Grenzen aus. Ein ationen schildern Ihnen Eltern, netter, erwachsener Mensch SCHÖNES, HABEN SIE
weiteres Missverständnis ist und was raten Sie ihnen dann? aus dieser Phase hervorgeht. GESAGT – VON DER
die Suche nach der „goldenen Klassische Beispiele sind: TROTZPHASE BIS ZUR
Regel“. Eltern wollen oft einfa- „Mein Kind mag das Essen Was dürfen die Zuschauerinnen
che Antworten auf komplexe nicht“ oder „Alle anderen dür- und Zuschauer in Ihrem Pro- PUBERTÄT“
Fragen, wie zum Beispiel: „Wie fen länger wegbleiben.“ Beim gramm im STADEUM erwarten? Ein Abend mit Familiencoach
lange darf mein Kind am Bild- Thema Essen rate ich zu Mein Programm basiert auf Matthias Jung im STADEUM
schirm sitzen?“ Aber jede Fa- Flexibilität. Teenager haben oft drei Säulen: Wissen, Alltags-
milie und jedes Kind ist anders. andere Essenszeiten, weil sich tauglichkeit und Humor. Ich
Wichtig ist, dass Eltern sich ihr Biorhythmus verändert. vermittle Fakten, die helfen,
selbst treu bleiben und flexibel Das heißt, sie haben vielleicht entspannt mit der Pubertät um-
auf die Bedürfnisse ihrer Kinder abends Hunger und nicht um zugehen. Gleichzeitig greife ich
eingehen. 18 Uhr. Wichtig ist, dass man
versucht, die gemeinsamen
Wie gelingt es Eltern, trotz Stress Mahlzeiten beizubehalten,
und Konflikten die Beziehung zu aber ohne Zwang. Generell
ihren Kindern zu stärken?
Indem sie im Dialog bleiben,
auch wenn dieser manchmal
stockt. Teenager reden weniger,
besonders Jungs. „SPO – Sub-
jekt, Prädikat, Objekt“ – länger
sind Sätze oftmals nicht. Da
heißt es, geduldig zu bleiben
und auf die richtigen Momente
zu warten. Rituale können da-
bei helfen, die Verbindung zu
halten. Auch wenn sich diese
verändern, entstehen oft neue.
Mein Sohn und ich teilen zum
Beispiel ab und zu einen riesi-
gen Eimer Eis. Solche Momente
schaffen Nähe. Wichtig ist, sich
für die Interessen der Kinder
zu begeistern, auch wenn sie
uns nicht immer interessieren.
Wenn mein Sohn von einem
„epischen Sieg“ bei Fortnite
erzählt, leuchten seine Augen
– und da ist es wert, zuzuhören.
Gibt es Situationen, in denen
Humor oder Gelassenheit nicht
mehr helfen?
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