Page 7 - Stadtwerke Stade - Stader Brise - März / April / Mai 2025
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IM GESPRÄCH

       helfen mir, den Eltern zu zei-  Ja,  bei  ernsthaften  Themen   empfehle ich, klare Regeln zu   typische Alltagssituationen auf
       gen, dass Pubertät eben auch   wie  Drogen,  Alkoholmiss-  setzen, aber auch individuell zu   und  mache  sie  greifbar.  Und
       mit Humor betrachtet werden   brauch  oder  Essstörungen   schauen, was das Kind leisten   mit Humor schaffe ich Bilder,
       kann, man aber auch hin und   sind professionelle Hilfen ge-  kann.  Vertrauen  ist  hier  ent-  die im Gedächtnis bleiben. Es
       wieder über den eigenen Tel-  fragt. Humor hat dort keinen   scheidend – und das baut auf   ist ein Dialog mit dem Publi-
       lerrand hinausschauen sollte.  Platz. Aber auch in emotional   den ersten Jahren auf.  kum, ohne PowerPoint, dafür
                                  aufgeladenen  Momenten  –                              mit viel Herz. Eltern sollen la-
       Was sind die häufigsten Miss-  wenn der „Rollladen im Gehirn“   Was ist Ihr wichtigster Rat an   chen, verstehen und mit einem
       verständnisse, die Eltern über   runtergeht – hilft Humor nicht.   Eltern,  die  mitten  in  der  Krise   positiven Gefühl nach Hause
       ihre pubertierenden Kinder ha-  Dann ist es besser, einfach da   Pubertät stecken?   gehen.
       ben?                       zu sein, vielleicht nur eine Hand   Erinnern Sie sich daran, dass
       Das  größte  Missverständnis   auf die Schulter zu legen. Ironie,   es eine Phase ist, die vorüber-  Vielen Dank, Herr Jung, für die-
       ist,  alles  persönlich  zu  neh-  die von Teenagern ohnehin oft   geht. Sie leben in dieser Zeit   ses inspirierende und unterhalt-
       men. Wenn Teenager ausras-  nicht verstanden wird, ist in sol-  quasi in einer Fernbeziehung   same Gespräch.
       ten  oder  provokant  sind,  tun   chen Momenten ebenfalls fehl   mit  Ihrem  Kind,  auch  wenn
       sie das nicht gegen ihre Eltern,   am Platz. Und: Man sollte die   Sie im selben Haus wohnen.
       sondern  für  sich  selbst.  Sie   Kinder immer ernst nehmen.  Bleiben Sie geduldig, neugierig
       befinden sich in einem hormo-                         und humorvoll. Und vertrauen   Donnerstag, 8. Mai 2025
       nellen Ausnahmezustand und   Welche  typischen  Alltagssitu-  Sie darauf, dass am Ende ein   „KINDER SIND WAS
       testen  ihre  Grenzen  aus.  Ein   ationen schildern Ihnen Eltern,   netter,  erwachsener  Mensch   SCHÖNES, HABEN SIE
       weiteres  Missverständnis  ist   und was raten Sie ihnen dann?   aus dieser Phase hervorgeht.  GESAGT – VON DER
       die Suche nach der „goldenen   Klassische  Beispiele  sind:                          TROTZPHASE BIS ZUR
       Regel“. Eltern wollen oft einfa-  „Mein  Kind  mag  das  Essen   Was dürfen die Zuschauerinnen
       che Antworten auf komplexe   nicht“ oder „Alle anderen dür-  und Zuschauer in Ihrem Pro-  PUBERTÄT“
       Fragen, wie zum Beispiel: „Wie   fen länger wegbleiben.“ Beim   gramm im STADEUM erwarten?   Ein Abend mit Familiencoach
       lange darf mein Kind am Bild-  Thema  Essen  rate  ich  zu     Mein  Programm  basiert  auf   Matthias Jung im STADEUM
       schirm sitzen?“ Aber jede Fa-  Flexibilität. Teenager haben oft   drei  Säulen:  Wissen,  Alltags-
       milie und jedes Kind ist anders.   andere Essenszeiten, weil sich   tauglichkeit  und  Humor.  Ich
       Wichtig  ist,  dass  Eltern  sich   ihr  Biorhythmus  verändert.   vermittle  Fakten,  die  helfen,
       selbst treu bleiben und flexibel   Das heißt, sie haben vielleicht   entspannt mit der Pubertät um-
       auf die Bedürfnisse ihrer Kinder   abends Hunger und nicht um   zugehen. Gleichzeitig greife ich
       eingehen.                  18 Uhr. Wichtig ist, dass man
                                  versucht,  die  gemeinsamen
       Wie gelingt es Eltern, trotz Stress   Mahlzeiten  beizubehalten,
       und Konflikten die Beziehung zu   aber  ohne  Zwang.  Generell
       ihren Kindern zu stärken?
       Indem  sie  im  Dialog  bleiben,
       auch  wenn  dieser  manchmal
       stockt. Teenager reden weniger,
       besonders Jungs. „SPO – Sub-
       jekt, Prädikat, Objekt“ – länger
       sind  Sätze  oftmals  nicht.  Da
       heißt  es,  geduldig  zu  bleiben
       und auf die richtigen Momente
       zu warten. Rituale können da-
       bei helfen, die Verbindung zu
       halten. Auch wenn sich diese
       verändern, entstehen oft neue.
       Mein Sohn und ich teilen zum
       Beispiel ab und zu einen riesi-
       gen Eimer Eis. Solche Momente
       schaffen Nähe. Wichtig ist, sich
       für  die  Interessen  der  Kinder
       zu begeistern, auch wenn sie
       uns nicht immer interessieren.
       Wenn  mein  Sohn  von  einem
       „epischen  Sieg“  bei  Fortnite
       erzählt, leuchten seine Augen
       – und da ist es wert, zuzuhören.

       Gibt es Situationen, in denen
       Humor oder Gelassenheit nicht
       mehr helfen?


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